Ich möchte Euch danken
Ich möchte Euch danken.
Ihr, die ihr mich ermutigtet das Vertraute zu verlassen
Ich möchte Euch danken.
Ihr, die ihr mich durch eure Kompetenzen unterstützet (z.B. bei der Bewerbung)
Ich möchte Euch danken
Ihr, die ihr mir von eurem hart erarbeiteten Brot gabt.
Ich möchte Euch danken
Ihr, die ihr mich durch eure Freude zum Schreiben inspiriert (et)
Ich möchte Euch danken
Ihr, die ihr Verständnis habt
Ich muss euch danken
Hallo Ihr Lieben, die ihr mir die Ableistung meines Zivildienst in Lyon, sowohl persönlich als auch finanzielle ermöglicht habt .
Nun, knappe zwei Monate nach der erfolgreichen Beendigung meines Zivis, scheint es mir nötig unser Projekt „Felix geht nach Frankreich“ angemessen zum Abschluss zu bringen.
Der Frühsommer in Lyon ist warm. Manchmal sogar erdrückend heiß.
Seit ungefähr Juni herrschten wohl Temperaturen von 28 bis 35 Grad, welche die Arbeit mit den Kindern prägten.
Die in Absicht aufs nahende Ende des Schujahres nun permanent hibbeligen, größeren Kinder, begleitet ich fortan in ein nahgelegenes Waldstück und machte dort sportliche Übungen mit ihnen. So z.B. Hürdenlauf, Seilklettern, Entenlauf etc.
Um den pädagogischen Inhalt dieser Einrichtung stritten sich die Waldorf Kindergärtnerinnen (scheinbar traditionell), ohne zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen. Der Streitpunkt lag bei der Frage, ob diese Betätigung die Gefahr barg, die Kinder noch aufgeregter werden zu lassen oder sie eher abregte und sie sich hierbei positiv verausgabten.
Außerdem legte ein Partei besonderen Wert darauf jegliche konkurrenzfördernde Spiele zu vermeiden, womit die sportliche Praxis stark Einschnitte erfuhr.1
Nachdem Ende Juni der Kindergarten -und Schulbetrieb mit einem Sommerfest seinen/und meinen Höhepunkt erlebt hatte, begann für uns eine eher von hausmeisterlichen Tätigkeiten geprägte Zeit.
Wir vier Zivis reparierten Stühle, schrubten und lackierten Tische, räumten allerhand Zeug herum und organisierten zusammen mit dem gesamten Mitarbeiterstab so die Grundlage für das anstehende Schuljahr. Z.B. Gab es aus finaziellen Gründen Klassenzusammenlegungen und zwei weitere Kidergartengruppen wurden eröffnet.
In diesen Wochen arbeiteten wir relativ selbstbestimmt einen langen Aufgabenkatalog ab. Ich empfand diese Zeit aber als sehr abwechlungsreich und angenehm.
Das lag wohl auch an den vielen schönen Abenden am Rhoneufer oder im Theater.
In die ersten Juniwochen fielen auch meine letzen Arbeiten in meiner Gastfamilie. Ich habe ihren rümpligen Keller aufgeräumt und die enorme Weinkammer neustrukturiert.
Die Kinder verbrachten ein letztes Mal ein ganzes Wochenende nur mit mir.
Zum Abschied von meiner Gastfamilie lud sie mich und meine Freunde zu Crêpes, Galettes (mit Sarazinmehl gemachte salzige Crêpes), Käse und natürlich viel Wein ein.
Es hat mich selbst verblüfft, wie schön und rührend ich diesen Abschied erlebte.
Vom Famillienvater Jean Charles noch auf eine Autobahnraststätte gefahren brach ich hiernach zusammen mit einer Freundin in den Trampurlaub nach Korsika auf.
Dort verbrachten wir wildcampend 10 schöne Tage in der wundersamen Landschaft der Corseninsel.
Dann kam ich nach kurzem Umweg über Lyon Ende Juli wieder nach Berlin. Mein Zivildienst endet mit einem Nachbereitungsseminar in Karlsruhe.Durch die Berichte der anderen Freiwilligen wurde mir bewusst wie nahe mein lyoner Leben doch meinem gewohnten berliner kam ( Großstadt, Freunde, Politikgruppe, Familie). Ganz im Gegensatz zum Freiwilligendienst in einer Camphill Einrichtung (dorfartiges projekt mit Behinderten), in denen die Zivis gar keine Freizeit geschweige denn Intimität genossen.
Nachdem ich aus dem Falkenzeltlager in der Slowakei gesund und fröhlich zurück gekehrt bin, habe ich einige Wochen der Aufnahmeprüfung für die Studienvorbereitung Jazz Klavier an der Musikschule Kreuzberg gewidmet. Ich habe sie glückerlicherweise bestanden, so dass ich jetzt hauptberuflich Klavier spielen kann und mich keine zeitraubende Nebenbeschäftigung mehr einschränkt. Ich habe wieder angefangen eine Jugendgruppe zu leiten und wohne im Moment noch meinen Eltern im idyllischen Hessenwinkel.
Euer Felix
---------------------------------------------------
1 Das Konkurrenzdenken in einer auf Konkurrenz basierenden Gesellschaft (unter von dieser sozialisierten Individuen) durch lapidaren Einschränkungen wie dieser verändert wird, ist fragwürdig und deckt sich genauso wenig mit meiner Erfahrung. So wollten viele Kinder selbst bei den Aufwärmübungen Platzierungen feststellen.


